Finale des 12. Burghauser Nachwuchs-Jazzpreises 2021

Nachdem das Finale in 2020 wegen der coronabedingt abgesagten Jazzwoche nicht stattfinden konnte, wurde für 2021 kein neuer Nachwuchs-Jazzpreis ausgeschrieben. Stattdessen findet das abgesagte 2020er-Finale mit den Finalisten nun zur Jazzwoche 2021 statt.

Freuen Sie am 29. Juni 2021 sich auf folgende Bands:

   
NICO THEO – QUINTETT (D)
 
Der Stuttgarter Saxophonist Nico Theodossiadis leuchtet mit seiner solistischen „Stimme“ durch die dicht gestaffelten Musiktexturen des von ihm geleiteten Quintetts „Nico Theo“. Weltmusikalische Spuren durchziehen die Kompositionen, erden diese und wirken als Kontrapunkt zur intensiven Dy­­namik des kompakten Band­sounds. Das Quintett wird trotz der „griechischen“ Färbung nie zur One Man Show des Bandleaders, finden doch seine Kollegen genügend Freiräume, um ihre eigenen Ideen und spielerischen Wege zu verfolgen. Trotz seiner Jugend hat sich das Quintett ein bereits sehr komplexes und ausgewogenes Klangbild erarbeitet, das zwischen expressiven und balladesken Momenten geschickt dramaturgisch zu wechseln versteht. Damit erreicht die Band ihr Ziel – mit einer in der modernen Jazzge­schichte wohlbekannten Be­­setzung eigene Bilder zu zeichnen.
 
ORGAN CLASH (D/BR)
 

Im Finale des Nach­wuchs-Jazzpreises findet sich mit „Organ Crash“ auch eine Band, bei der die berühmte Hammond B3 (samt ebenso berüchtigtem „Leslie“) im Zentrum steht. Dieses Instrument und sein Klang üben in der Jazzwoche eine beständige Sogwirkung auf deren Fans aus. Auch John Scofield oder James Carter haben das Format des Organ Trio in Burghausen schon aufgegriffen. Der in Berlin lebende Pianist und Komponist Adrian Zendeh hat es mit seiner vor kurzem geborenen Band geschafft, die Jury zu überzeugen. Als expressives und energetisches Gegenüber ist die „Electric Guitar“ von Florian Schultz zu hören. Der aus Rio de Janeiro stammende Drummer Joáo Alvaro Raineri Matino sorgt in diesem Power-Trio für die entscheidenden Beats.
 
SZYMON KLEKOWICKI SEXTET (PL)
 

Nach dem Quintett „Weezdob Collective“ beim letzten Finale gibt es auch 2021 wieder einen Finalisten aus Polen. Die Musikakademie in Kattowitz ist die künstlerische Heimat des „Szymon Klekowicki Sextetts“. Der Posaunist, Flügel­hornist und namensgebende Bandleader teilt sich die kompositorische Aufgabe mit dem Pia­nisten Adam Jarzmik. Sie bewegen sich künstlerisch im Feld zwischen der Weiterschreibung der Tradition und einem modernen Anspruch der Aneignung dieser Jazz­vergangenheit durch eine neue junge Generation. Up Tempo-Stücke finden sich ebenso im Repertoire des Sextetts wie auch intime Balladen. Im letzten Jahr veröffentlichten sie in ihrer Heimat die erste Einspielung „A Day In The Bus“.
 
AURORA OKTET (D)
 

Die Vielfalt des Angebots im weiten Jazzraum bestimmt auch in diesem Jahr den öffentlich zugänglichen Wettbewerb im Stadt-saal, nach dem Organ Trio ein 8köpfiges „mittleres“ Ensemble mit speziellem Charakter. Der Jazz bzw. die improvisierte Musik zeichnete sich immer durch Grenzüberschreitungen und ge-genseitige Einflüsse aus. Im Aurora Oktett des Bandleaders, Komponisten und Kontrabassisten Carl-Christian Wittig treffen „klassisches“ String- & „improvisierendes“ Jazz Quartett auf ausgefuchste Weise aufeinander. Die feingliedrigen Klangflächen sind durchzogen von melodischen Strichen der Jazzabteilung, die Wittigs notierte Komposi­tions­geschichten auf der Bühne zum Leben und Blühen abringen – für das Publikum ein besonderer Ein­blick in diese selten zu hörenden Neue (Jazz) Musik Ex­­peri­men­te.
 
Die Therapie (D)
 
Die Therapie wurde 2017 von Gitarrist Arno Grußendorf in den Katakomben des Berliner Jazz-Untergrunds ins Leben gerufen. Als junge Anhänger des Groove Jazz begeistern sie die Szene durch einen Sound, der die sonnenverwöhnten Klänge Los Angeles‘ und die experimentierfreudige Coolness Londons rücksichtslos zusammenwirft und in düstere Farben taucht. Hat sich der Zuhörer dabei schon bereitwillig in die atemberaubende Mixtur aus modernem Jazz, Post-Rock und Blues verliebt, wird er mit überraschenden Pop-Eruptionen wieder auf die Zehenspitzen gezerrt.  Live wie im Internet wird die unterkühlte Hipster-Ästhetik von Velours-Mänteln und dunklen Sonnenbrillen im blauen Scheinwerferdunst als Fassade ihrer visuellen Präsentation dabei gerne humorvoll aus den Angeln gehoben und macht spätestens bei den ersten Soli einer puren, ekstatischen Freude Platz.